Home Sweet Home
August 24, 2010, 2:22 pm
Filed under: aufgeschnappt, on my way

So, seit etwas über einer Woche bin ich nun schon wieder in Deutschland. Bis jetzt hält sich der Kulturschock in Grenzen, doch das Einleben braucht auf jeden Fall seine Zeit. Trotzdem – es ist schön, wieder hier zu sein. Auf diesem Weg vielen Dank an alle fleißigen (und auch die weniger fleißigen) Blogleser, eure Kommentare, Anteilnahme und sogar gelegentliche aufbauende SMS! Vielen Dank auch an alle, die auch für mich gebetet haben. Ich habe Gottes Bewahrung so oft erfahren und kann euch und ihm gar nicht dankbar genug sein.

Zurzeit wohne ich in der altbekannten Adresse in Weidenhausen, ab Oktober allerdings in Gießen. Wer sich mal bei mir melden will, hier ist meine neue Handynummer: 0151/40389425

Ein paar letzte Impressionen aus Rhino Camp…

Ein letzter Blick auf mein Häuschen...

So betankt man einen Toyota bis zum Anschlag - das arme Auto...

Die Grünhörner: Geoffrey, ich, Hanifa, Ismail - die DED-Praktikanten

Sonnenuntergang in Tika IV

Sonnenuntergang in Tika IV, einem Teil des Settlements

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Out of Africa…
August 8, 2010, 5:17 pm
Filed under: on my way

So, ein letzter Blogeintrag bevor ich mich nach Kampala aufmache, wo ich noch ein paar organisatorische Details kläre und mich dann wieder nach Deutschland begebe. Wie jetzt? So ganz ist es bei mir noch nicht durchgesickert, dass ich am Freitag das letzte Mal in Rhino Camp war (denn sollte ich wiederkommen, gibt es das Settlement hoffentlich nicht mehr), dass ich die letzten Male durch die Strassen von Arua schlendere und Süßkartoffeln auf dem Markt kaufe… Genauso gut könnte mir jemand erzählen, ich würde nächste Woche auf den Mond fliegen. Verabschiedet habe ich mich relativ still, habe einen Kuchen gebacken, Adressen gesammelt und meine Freunde noch mal besucht. Das Haus ist sauber und die neuen Freiwilligen sind gestern in Arua angekommen, ein netter Haufen.

Aber obwohl ich den Abschied noch nicht so richtig fassen kann, freue ich mich sehr auf Deutschland, meine Familie und Freunde.

So weit, so gut. Hiermit melde ich mich also offiziell aus Uganda ab, bis demnaechst…



Jabulani Afrika! (trotzdem)
Juli 13, 2010, 11:39 am
Filed under: aufgeschnappt, Gedanken, on my way

Zuerst einmal, um alle eventuellen Fragen zu beantworten: mir geht es gut. Glücklicherweise war Deutschland nicht im Finale, in diesem Fall hätte ich mir das Spiel vielleicht in Kampala angesehen…  Zurzeit spricht man 74 Opfern, die bei 2 Bombenexplosionen in der Hauptstadt getötet wurden (http://news.bbc.co.uk/go/rss/-/2/hi/world/africa/10610162.stm), eine keine 1000 Meter von unserem Landesbüro entfernt. Ich kannte keines der Opfer, aber genauso gut wie sie hätte ich in dem Restaurant sitzen können, mir mit Freunden das Finale anschauen… Die Zeitungen sind voller Horrorbilder und alle hier sind zwar geschockt, aber relativ pragmatisch: das Leben geht weiter…

Die Anschläge am Sonntag waren ein grausamer Abschluss einer insgesamt sehr schönen WM-Zeit in Uganda (wobei ich natürlich nur von Arua sprechen kann). Von einer Euphorie kann zwar nicht die Rede sein, aber vier Wochen lang war die WM und das Weiterkommen oder Ausscheiden der jeweiligen Teams das absolute Top-Thema. Die Bars und Restaurants hatten Hochkonjunktur, der afrikanische Pay-TV-Konzern DSTV warb mit dem Slogan „Once in A Lifetime – 24/7“. Auf vier verschiedenen Kanälen konnten Fußballverrückte, wenn sie denn wollten, den ganzen Tag (und die ganze Nacht) nichts anderes tun als Spiele, Spielwiederholungen, Diskussionen, Talkshows und Hintergrundinformation verfolgen. Wenn man denn einen Fernseher, einen Decoder und einen Generator besitzt. Die Meinung ist klar: wir haben uns gut geschlagen! „Wir“, das sind vor allem Nigeria, Ghana, Ivory Coast, Südafrika und ansatzweise Algerien, aber auch alle anderen Teams, die afrikanisch-stämmige Spieler in ihren Reihen haben. Stand tatsächlich kein Afrikaner auf dem grünen Rasen, wurde eben der Schiedsrichter unterstützt (bei dieser WM keine leichte Aufgabe). Gerne war man (zumindest nach meinem Gefühl) auch einfach mal gegen Deutschland…

Wenigstens ein Deutschland-Supporter...

Von Vuvuzelas blieb ich ebenso verschont wie von Autokorsos… Die Tröten findet man hier  eher vereinzelt bei Live-Spielen, oder den Leichtathletikwettkämpfen, die in Arua stattfanden.

Vielleicht ist es euch aufgefallen, ich spreche die ganze Zeit gar nicht von Rhino. Tatsächlich war ich die letzten Wochen im Büro in Arua um für Lars die Urlaubsvertretung zu übernehmen. Immerhin wurden in Imvepi auch die Spiele übertragen (in Rhino scheiterte es an Geldbeiträgen), doch auf die Art und Weise war es für mich um einiges angenehmer, trotz der eintönigen Arbeit und der „kühlen“ Temperaturen hier. Außerdem lerne ich so neue Ecken in und um Arua kennen und habe die Zeit in der Stadt, die ich während meines Pendlerdaseins immer vermisst habe. Gedanklich habe ich mich wohl schon etwas von Rhino Camp verabschiedet, ich werde dort nur noch zwei Wochen verbringen, bevor ich schließlich am 13. August wieder in Frankfurt lande und bin aus Renovierungsgründen schon aus meinem Haus ausgezogen. Die Abschiedsstimmung greift bereits um sich… auch meine weltwärts-Kollegen reden von Studienbewerbung, Wohnungs- und Jobsuche und Familienfeiern in Deutschland. Zuhause? Naja…

Nicht nur Fussball…
Die ugandischen Leichtathletik-Jugenmeisterschaften

Daher wird das hier wohl auch einer meiner letzten Blogeinträge IN Uganda sein. Ich freue mich schon wieder auf euch, auch wenn ich gerade eher mit gemischten Gefühlen Richtung Heimflug blicke. Aber vielleicht haben meine Nachfolger ja auch einen Blog…



Nachtrag
Juni 12, 2010, 8:04 am
Filed under: Alltag in Afrika

Mein erster Kuchen…



Kopango?
Juni 12, 2010, 7:42 am
Filed under: on my way

Letztes Wochenende war ich zu Besuch in Lira, besser gesagt in Adwoki, Dokollo District, um zwei weltwärts-Kollegen zu besuche, die dort an einer technischen Schule unterrichten. Lira gehört offiziell zum „Norden“ und die dort ansässigen Lango gehören derselben Sprachgruppe an wie ihre Verwandten, die Luo, in Kitgum. Das war insofern hilfreich, dass ich zumindest „Danke“ und „wie geht’s?“ verstehen konnte, ansonsten war ich mal wieder fasziniert davon, wie viele unterschiedliche Sprachen in Uganda vorkommen. 50 km nördlich von Arua wird Kakwa gesprochen, 50 km südlich Aluru – und keiner versteht den anderen, ähnlich wie wenn ein Franzose, ein Russe und ein Deutscher zusammentreffen, nur eben auf engerem Raum.

In einem Kombi mit 12 Leuten  (4 Leute vorne, 5 auf der Rückbank, 3 im Kofferraum) fuhr ich die 300 Kilometer nach Lira. Es war ein sehr entspanntes Wochenende, an dem ich vor allem die Schule und die Umgebung kennengelernt habe. Dokollo hat sehr viele Sümpfe, und so machten wir einen Ausflug im Boot durch Papyrus“wälder“… Moskitos gab es natürlich unerträglich viele, doch bis jetzt scheine ich mal wieder von Malaria verschont geblieben zu sein, vielleicht funktioniert der Artemisintee aber auch einfach nur gut.

Sumpf in Adwoki

Da ich quasi ständig zwischen absoluter Provinz und Stadt hin und her pendele, fand ich es auch interessant, mal ein größeres Trading Center zu sehen. Keine Stadt, aber schon mehr als eine Ansammlung von zwei, drei Häusern, wie sie hier im Settlement vorherrscht.

Die Schule ist das Herzstück des Ortes. Sie wird von 800 Schülern besucht und dort ist echt immer etwas los. Für einige Tage habe ich die Atmosphäre sehr genossen, aber auf Dauer ist es dort mit der Privatsphäre doch sehr schwierig…

Irgendwie aufgetankt ging es zurück nach Arua. Dank meinen Freunden habe ich nun endlich auch wieder einen Koffer (meiner fiel dem Brand zum Opfer), mit dem ich mich am 12. August wieder auf die Heimreise mache.



WORLD REFUGEE DAY 2010
Juni 12, 2010, 7:33 am
Filed under: aufgeschnappt

Nächsten Freitag werden wir in Rhino Camp und an vielen anderen Orten auf der Welt den WORLD REFUGEE DAY begehen, der weltweite Gedenk- und Feiertag für die Flüchtlinge weltweit.

World Refugee Day 2010

UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) hat diesen Tag ausgerufen, um die Flüchtlinge zu würdige. Gleichzeitig fordern sie uns damit heraus, uns mit dem Schicksal der Flüchtlinge zu identifizieren, uns bewusst zu machen, dass es uns genauso gehen könnte.

Eigentlich ist es aber ein freudiger Anlass. Hier in Rhino Camp bzw. Imvepi wird es einen Malwettbewern unter den Schulen geben, zum Thema: THEY TOOK MY HOME BUT THEY CAN’T TAKE MY FUTURE! Die Flüchtlinge werden singen, tanzen und Reden schwingen und die beteiligten Organisationen werden zeigen, was sie eigentlich gerade so tun.

Verschwendet doch am Sonntag auch mal einen Gedanken an die vielen Flüchtlinge überall auf der Welt, oder informiert euch unter unhcr.org.




Wie bitte?
Mai 15, 2010, 5:34 pm
Filed under: Alltag in Afrika, Gedanken

Langsam, aber sicher ist wieder Alltag bei mir eingekehrt. Arua ist kühl und regnerisch – sehr angenehm also. Es ist White Ants – Saison. Gegen Abend flattern draußen große, geflügelte Ameisen herum, die, sobald sie gefangen werden, die Flügel abwerfen. Geröstet gelten sie dann als Delikatesse und schmecken auch wirklich unheimlich gut. Auch in Rhino Camp herrscht das blühende Leben – sowohl was die Natur als auch die Menschen angeht. Zurzeit haben wir viel Zuwachs bekommen. 5 Praktikanten bevölkern unsere Büros, mit einer davon, Nina, wohne ich auch zusammen – endlich wohne ich nicht mehr in einem leeren Haus. Am Anfang war es etwas seltsam, nicht mehr abends alleine im Haus zu sein, aber ich denke, wir haben uns beide recht schnell daran gewöhnt.

Flüchtlinge gibt es zum Glück keine neuen. Nach den Präsidentschaftswahlen im Sudan, die Mitte April stattfanden, sind viele davon ausgegangen, dass ein neuer Krieg, ein neuer Flüchtlingsstrom einsetzen würde. Gott sei Dank blieb alles erstaunlich ruhig. So langsam darf man vielleicht sogar auf eine friedliche Abspaltung des Südsudan im nächsten Jahr hoffen. Der Norden scheint den Weg freizumachen. Wie oft haben wir schon darüber spekuliert… besonders am Anfang hatte ich enorme Probleme mit der Tatsache, dass quasi damit gerechnet, alles dafür vorbereitet wurde, dass es wieder Krieg, wieder Vertreibung jenseits der Grenze geben würde. Jetzt gibt es vielleicht doch einen anderen Weg. „People are tired of war“… schön wär’s.

Theaterstück für Gehörlose

In Arua habe ich vor kurzem eine interessante Erfahrung gemacht: durch Zufall bzw. einen Bekannten bin ich in einen Gottesdienst für Gehörlose gestolpert. Eine echt beeindruckende Erfahrung und zu meinem Glück wurde auch übersetzt. Es wurde gesungen – zu Trommeln, deren Vibration ja spürbar sind, wurde getanzt und mit den Händen die entsprechendenZeichen gemacht, es gab ein Theaterstück, eine kurze Predigt und wir haben zusammen das Abendmahl geteilt. Mir war überhaupt nicht bewusst gewesen, dass es hier überhaupt eine Gruppe von Gehörlosen gibt. Und was für eine: obwohl ich die Zeichensprache kein bisschen beherrsche, habe ich mich sofort dazugehörig gefühlt – und selten so viel Spaß in einem Gottesdienst gelacht.

Predigt auf Zeichensprache
Die letzten zwei Wochen habe ich in Rhino Camp verbracht, da Henrike mich gerne mal im Busch besuchen wollte… Naja, besonders begeistert wird sie wohl kaum sein, dachte ich, aber letzten Endes hatten wir ein echt schönes Wochenende. Gemeinsam haben wir mir einen Backofen neben das Haus gebaut – eine riesige Drecksarbeit, aber ein Mordsspaß. Meine Kollegen haben uns ziemlich verständnislos angeschaut, schließlich ist Brot hier höchstens als weißes Toastbrot bekannt – mit Kuchen konnten sie dafür umso mehr anfangen und bestellten gleich mal eine ganze Ladung im Voraus 🙂

harte Arbeit...

Seht her, ein Ofen!